Studydrive Career To Go - Tax Berufseinstieg
Interviewer:in: Sie liebt die Umsatzsteuer und das aus guten Gründen. Welche das sind, verrät sie uns.
Intro: Career to go - was macht man in einem bestimmten Job?
Career to go - wie wird man fit für die Arbeitswelt Study?
Studydrive fragt nach.
Interviewer:in: Hallo und herzlich Willkommen zur Career to go von StudyDrive und mit mir, Konstanze Marie Teschner. Ich halte es für eine der größten Herausforderungen im beruflichen Leben, eine Passion zu finden – etwas, wofür man brennt, das einem Freude bereitet, das einen aber auch gleichermaßen fordert und Abwechslung bietet. Meine heutige Gästin Jette Struever hat das gefunden. Jette ist Senior Manager Indirect Tax Services bei Deloitte. Herzlich Willkommen, Jette.
Jette: Vielen Dank.
Interviewer:in: Schön, dass du da bist. Habe ich zu viel versprochen im Intro? Du hast mit deinem Job deine Passion gefunden, oder?
Jette: Das ist total richtig. Absolut, ja.
Interviewer:in: Gib mal ein bisschen Background zu dir. Was hast du studiert? Wie lange bist du schon bei Deloitte und wie alt bist du?
Jette: Ich habe International Business oder Außenwirtschaft studiert und danach noch mal Jura. Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren bei Deloitte und ich bin 36 Jahre alt.
Interviewer:in: Vielen Dank. Das ist schon auch eine ganz gute Zeit, oder? Ich habe immer gehört, dass man da so durchwechselt bei euch in den Beratungen, aber du bleibst dem Unternehmen treu?
Jette: Genau, so ist das. Nö, ich fühle mich total wohl. Ich sehe da momentan noch überhaupt keinen Anlass, was dran zu ändern.
Interviewer:in: Wunderbar. Zu Beginn wollen wir ja immer mal so eine Basis schaffen, so Grundlagen klären, dass wir alle – und mit „wir“ meine ich eigentlich sehr doll mich, weil ich am wenigsten weiß, was hier so passiert – also dass wir erstmal so Grundlagen geklärt haben. Und deswegen, weil wir uns ja heute über indirekte Steuern, also Indirect Taxes, unterhalten und da noch über einen ganz besonderen Bereich. Aber um erstmal zu verstehen, was denn diese indirekten Steuern überhaupt sind, habe ich das gegoogelt und bin zu folgendem Ergebnis gekommen.
Automatisierte Stimme: Eine indirekte Steuer ist eine Steuer, die auf Waren und Dienstleistungen erhoben wird, bevor sie den Kunden erreichen, der letztendlich die indirekte Steuer als Teil des Marktpreises der gekauften Ware oder Dienstleistung zahlt.
Interviewer:in: Jette, was sagst du dazu? Stimmt das?
Jette: Das stimmt. Das klingt total richtig, gut getroffen.
Interviewer:in: Okay, das sind schon mal so Basics, die uns dann weiterhelfen, wenn wir ins Detail gehen, richtig?
Jette: Richtig.
Interviewer:in: Wunderbar. Und bevor wir dahin gehen, zu diesen Details, möchte ich dich ein bisschen näher kennenlernen, und das gerne mit unserem A/B-Entscheidungsspiel. Ich gebe dir mal zwei Optionen vor und du darfst dich gerne spontan, ohne viel darüber nachzugrübeln, entscheiden. Heute im Job: die Erste im Büro oder die Letzte?
Jette: Die Erste.
Interviewer:in: Netflix oder Arte?
Jette: Arte.
Interviewer:in: Hotel oder Airbnb?
Jette: Hotel.
Interviewer:in: Topfpflanzen oder Schnittblumen?
Jette: Topfpflanzen.
Interviewer:in: Schenken oder beschenkt werden?
Jette: Schenken.
Interviewer:in: Fragen oder Antworten?
Jette: Fragen.
Interviewer:in: Schokolade oder Chips?
Jette: Chips.
Interviewer:in: Sportlich oder elegant?
Jette: Sportlich.
Interviewer:in: Regenschirm oder Kapuze?
Jette: Kapuze.
Interviewer:in: Pho oder Ramen?
Jette: Pho.
Interviewer:in: An den Wochenenden: lange Spaziergänge oder lieber lange Spieleabende?
Jette: Lange Spaziergänge am Meer.
Interviewer:in: Prokrastinieren oder sofort anpacken?
Jette: Sofort anpacken.
Interviewer:in: Das hab ich mir gedacht. Vielen Dank, Jette. Ja, ich hab das Gefühl, du bist so eine Anpackerin.
Jette: Total.
Interviewer:in: Und vermutlich ist es auch so ein bisschen bedingt durch den Bereich, für den du arbeitest und für den du brennst. Also dein Fachbereich ist die Umsatzsteuer. Wir haben es gerade schon so ein bisschen kryptisch im Intro darum angesprochen. Du hattest mir aber in der Vorbereitung schon erzählt, du beschäftigst dich hauptsächlich mit der Umsatzsteuer. Bitte erkläre mir einigermaßen leicht verständlich, was denn die Umsatzsteuer überhaupt ist.
Jette: Das mache ich gerne. Die Umsatzsteuer ist eine Transaktionssteuer. Das bedeutet, dass jede Transaktion, die man sich im Wirtschaftsleben vorstellen kann, muss sich irgendwie die Frage nach der Umsatzsteuer mal gestellt haben. Die Umsatzsteuer ist halt auch die Haupteinnahmequelle des Staates, und da kann man sich dann die Bedeutung der Steuer für den Staat sehr gut vorstellen.
Interviewer:in: Ja, es wird selbst mir als Newbie deutlich, wenn du das so eindrücklich sagst. Ja, da haben einige ihre Augen drauf, würde ich sagen.
Jette: Ja, genau so ist das auch. Genau. Die Umsatzsteuer bei Deloitte gehört, wie du das ja eben schon gesagt hast, zur Serviceline Indirect Tax. Und diese Serviceline Indirect Tax, die beinhaltet aber neben der Umsatzsteuer auch die Bereiche Zoll, Versicherungssteuer oder auch Strom- und Energiesteuer. Damit habe ich aber jetzt persönlich gar nichts zu tun. Ich könnte das, wenn es mich interessieren würde, aber ich bin voll und ganz beschäftigt mit der Umsatzsteuer.
Interviewer:in: Okay. Und wie kann ich mir denn dein Team so vorstellen? Du machst es ja nicht alleine, vermute ich.
Jette: Richtig. Genau. Wir sind in Hamburg – also ich bin ja am Standort Hamburg – und dort sind wir ein Team von circa zehn Leuten in der Umsatzsteuer. Aber eigentlich arbeiten wir in einem größeren Team von circa 30 Leuten zusammen. Die sind dann von den Standorten Berlin und Hannover. Aber ganz grundsätzlich löst sich das mit den Standorten mehr und mehr auf, sodass wir auch mit den Umsatzsteuerkolleg:innen der anderen Standorte mehr und mehr zusammenarbeiten. Und das macht total Spaß.
Interviewer:in: Okay, also hast du da viele Anknüpfungspunkte mit anderen Kolleg:innen, was das ja auch so potenziert, so Wissen und Aufgabenbereiche.
Jette: Genau das. Und man kann halt auch einfach die Arbeit gut verlagern. Wenn mal jemand mehr hat, dann kann er oder sie da irgendwie Kapazitäten von einem anderen Standort dazuholen. Genau wie du sagst, natürlich auch das Wissen von anderen Standorten. Das ist wirklich totaler Mehrwert.
Interviewer:in: Worin liegt denn die besondere Herausforderung bei diesen Themengebieten der indirekten Steuern? Was würdest du da so für eine Herausforderung definieren?
Jette: Genau, also ich habe es ja eben gerade schon gesagt, dass sich jeder Transaktion, die man sich vorstellen kann, im Wirtschaftsleben die Frage der Umsatzsteuer stellen muss. Und man kann sich ja vorstellen: Das Wirtschaftsleben ist so bunt und der Kreativität der Unternehmer:innen, ihr Geld zu verdienen, sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. Und da wir immer im ersten Schritt die Transaktion verstehen müssen – also was das eigentliche Geschäftsmodell der Unternehmer:innen ist –, tauchen wir da in die interessanten Geschäftsmodelle ein. Das wird nie langweilig.
Interviewer:in: Ja, also sehe ich da so ein bisschen ein detektivisches Potenzial in diesem Bereich.
Jette: Absolut. Einen ganz großen Teil unserer Arbeitszeit sind wir damit beschäftigt, die Hintergründe zu erforschen. Und dann können wir erst einsteigen und uns halt Gedanken machen über die Umsatzsteuer.
Interviewer:in: Okay. Und mach's mir mal ein bisschen bildhafter. Hast du ein Beispiel für mich?
Jette: Ja, klar, gerne. Das Geschäftsmodell eines Automobilzulieferers zum Beispiel ist es – logisch - Teile für die Automobilhersteller zu produzieren. Es ist aber wirklich eine Herausforderung zu verstehen, welche Werkzeuge oder Teile für die Werkzeuge der Automobilzulieferer einkaufen muss, wo er es dann eventuell irgendwie zusammenbaut und aufstellt. Das kann zum Beispiel dann auch wieder bei einem weiteren dritten Zulieferer sein, um dann zu verstehen, in welche Länder die mit den Werkzeugen produzierten Teile weitergeliefert werden. Und das noch im internationalen Bezug. Die Kund:innen können aus anderen Ländern stammen. Das gewinnt dann schon ordentlich an Komplexität.
Interviewer:in: Okay, verstehe. Und wie ist denn da deine persönliche Vorliebe für diesen jetzt ja doch ziemlich komplizierten Bereich? Wenn ich mal ganz ehrlich bin, das, was du mir so bildlich erklärt hast, ist doch nicht mehr ganz so überschaubar. Wie ist denn deine Vorliebe dafür entstanden? Du hättest es dir ja vielleicht auch ein bisschen leichter machen können.
Jette: Ja, das ist wirklich eine gute Frage. Ich glaube tatsächlich, es ist so, dass bei fast allen meiner Kolleg:innen - und auch so bei mir - der Kontakt zur Umsatzsteuer einem Zufall geschuldet ist. Also bei mir war es zum Beispiel so, dass ich zufällig ein umsatzsteuerliches Thema im Steuerschwerpunkt in meinem Jurastudium hatte. Und dann war ich noch für eine kurze Zeit im Bundesfinanzministerium in der Unterabteilung für Umsatzsteuer. Und da stand dann für mich fest: Das ist mein Traumrechtsgebiet. Früher dachte ich immer mal, ich würde gerne was Internationales mit Sprachen machen. Das habe ich auch versucht. Aber da fehlte mir irgendwie der Bezug zu Zahlen. Und dann – das juristische Arbeiten liebe ich auch total – aber da fehlten mir auch die Daten und die Zahlen. Dann war ich beim Steuerberater mal, und die Tätigkeit war super, aber da fehlte mir dann wieder das Internationale. Und dann, als ich halt die Umsatzsteuer da entdeckt habe, war halt klar: Das ist für mich die beste Kombination aus juristischem, logischem Arbeiten, aus Daten und Zahlen und aber auch vor allem aus diesem internationalen Bezug beziehungsweise den Sprachen.
Interviewer:in: Mhm, voll schön. Also Best of All Worlds sozusagen.
Jette: Genau.
Interviewer:in: Und voll gut, dass du eben ja vorher verschiedene Sachen ausprobiert hast, um dann aus allem so ein bisschen das Beste herauszupicken.
Jette: Genau.
Interviewer:in: Auch ganz mutig, muss ich sagen, weil man kann ja auch sich dann mal mit dem zufriedengeben und sagen: „Naja, ist schon ganz okay.“ Aber du hast weitergesucht, und es hat sich dann ja auch gelohnt und ausgezahlt, sozusagen.
Jette: Das stimmt.
Interviewer:in: Du hast es ja gerade schon mal so ein bisschen angerissen, wie so ein Projekt aussehen kann. Und wie kann ich mir dann die Zusammenarbeit mit deinen Mandanten vorstellen? Du brauchst ja wirklich viele Informationen, um dann die Ergebnisse daraus zu ziehen und die zu beraten. Woher bekommst du die Infos von den Mandanten? Also wie ist die Zusammenarbeit?
Jette: Kurz zusammengefasst ist die Zusammenarbeit eigentlich total international. Sie ist total bunt, aber auch persönlich. International würde ich sagen, weil wir ganz oft mit anderen Deloitte-Büros in anderen Ländern zu tun haben. Da haben wir dann Mandanten, zum Beispiel ein Unternehmen in Spanien, welches sich an das Deloitte-Büro in Spanien wendet. Und das Deloitte-Büro in Spanien wendet sich dann mit einer Anfrage an uns. Genauso kann es aber auch irgendein ausländisches Unternehmen sein, welches sich direkt an uns wendet. Oder wir haben auch deutsche Unternehmen, die halt einen internationalen Bezug haben. Also irgendeine Form von Internationalität ist da immer mit dabei. Dann bunt würde ich sagen, wie ich eben schon gesagt habe: Den Tätigkeitsbereichen der Unternehmer:innen sind keine Grenzen gesetzt, und so sind halt auch unsere Mandanten total unterschiedlich. Und man trifft auf alle Typen.
Interviewer:in: Okay.
Jette: Und persönlich würde ich sagen, dass wir halt viele Mandanten auch über einen langen Zeitraum beraten. Das sind zum Beispiel dann die Steuererklärungen, aber auch laufende Anfragen zur Umsatzsteuer, die sie haben. Und da kann man dann schon eine persönliche Beziehung aufbauen, und das ist total schön.
Interviewer:in: Und also, wenn ich mir jetzt vorstelle, du berätst die Kunden und prüfst, was die da so in ihren bunten Unternehmen gemacht haben. Was ist denn, wenn du feststellst, dass die einen Fehler gemacht haben? Und so ein Fehler, der dann irgendwelche steuerrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht – was passiert dann? Wo du auch sagtest, du hast eine persönliche Bindung zu denen, und dann musst du sagen: „So, Kolleg:in, vielleicht ist da was nicht so glatt gelaufen.“
Jette: Ja, das kommt auch leider häufiger vor. Die Umsatzsteuer wird nämlich von den Unternehmen oft unterschätzt, so ganz nach dem Motto: „7 % oder 19 %, ist alles ganz einfach.“ Ist es aber leider nicht.
Interviewer:in: Ist nicht so, wa? Hab ich befürchtet.
Jette: Ne. Genau. Also Fehler in den Unternehmen summieren sich sehr schnell, und da kommt auch dann richtig schnell ordentlich was zusammen, sodass schnell sehr hohe Steuernachzahlungen erreicht werden können. Da unterstützen wir dann die Mandanten bei der Aufarbeitung und bei der Kommunikation der Nachmeldung dann an das Finanzamt. Und um steuerstrafrechtliche Risiken, wie du das gerade ja schon angesprochen hast, zu minimieren, da arbeiten wir oft mit den Steuerstrafrechtler:innen dann auch zusammen.
Interviewer:in: Okay. Und darüber hinaus? Mit welchen anderen Departments arbeitest du noch so zusammen?
Jette: Ja, zum Beispiel machen wir auch so Due-Diligence-Prüfungen. Das machen wir dann in Zusammenarbeit mit M&A-Tax.
Interviewer:in: Moment, Moment, halt, stopp. Was sind Due-Diligence-Prüfungen und was sind M&A-Tax? Da lass ich dich jetzt hier nicht, da streu ich mal so ein paar (lacht).
Jette: Genau, ich mach das eher selten, also das ist nicht so mein Hauptschwerpunkt. Das machen eher so die anderen Kolleg:innen. Aber das ist die umsatzsteuerliche Unterstützung bei so großen Mergers-&-Acquisitions-Projekten. Deshalb M&A-Tax. Das ist unsere Steuerabteilung, die unterstützt bei den steuerrechtlichen Auswirkungen von so Unternehmenskäufen oder -verkäufen. Und wir unterstützen dann, indem wir in das zu kaufende oder zu verkaufende Unternehmen einen Einblick bekommen und da einfach die umsatzsteuerlichen Risiken versuchen, frühzeitig noch zu entdecken, bevor das halt dann verkauft wird oder gekauft wird.
Interviewer:in: Okay, okay. Danke schön.
Jette: Genau. Dann, wie gerade schon gesagt, die Steuernachmeldung, die wir da so machen, da arbeiten wir halt viel mit den Steuerstrafrechtler:innen zusammen. Dann haben wir immer wieder zu tun mit Business Tax oder Transfer Pricing. Da kommen dann einfach so ausgewählte Projekte oft. Beziehungsweise Business Tax macht auch oft Umsatzsteuer schon so ein bisschen mit, aber wenn das so ein bisschen komplizierter wird, dann kommen die immer auf uns zu und wir machen das zusammen. Genau. Wir arbeiten auch mit Consulting zusammen. Das ist zum Beispiel bei so einem Projekt bei der Umstellung auf S/4HANA. Da haben wir so einen ganz großen Mandanten, und da unterstützen wir dann bei der Überarbeitung von Steuerkennzeichen in dem Unternehmen. Wir arbeiten aber auch total viel zusammen mit TTC, also Tax Technology Consulting, da wir halt ganz oft richtig große Datenmengen von den Mandanten bearbeiten müssen. Da greifen wir auch gerne auf die Tools und die Expertise der Kolleg:innen von TTC zurück.
Interviewer:in: Ah, okay cool. Also tatsächlich ein großer Topf mit allen Departments, mit denen ihr kooperiert, für euch Informationen einholt. Wir haben jetzt ja schon wirklich einige Episoden mit euch produziert, und jedes Mal, wenn ich denke, ich habe Deloitte durchschaut, ich weiß da, wer was macht, wo Dinge passieren, ne, dann kommt irgendwer Neues von euch und erzählt mir von weiteren aufregenden Departments. Ich bin sehr beeindruckt. Dein Team Umsatzsteuer sucht Unterstützung?
Jette: Ja, immer.
Interviewer:in: Immer? Und wenn jemand euch unterstützen möchte, welche Voraussetzungen muss er oder sie denn erfüllen? Oder sollte? Ich will gar nicht so absolut reden.
Jette: Ja, genau. Also ganz interessant ist – und das denken sich wahrscheinlich die wenigsten – was auf jeden Fall nicht unbedingt notwendig ist, sind schon vorhandene Kenntnisse im Umsatzsteuerrecht. Das lernt man nachher alles on the Job.
Interviewer:in: Okay.
Jette: Also wichtig ist auf jeden Fall Motivation, Eigeninitiative. Teamfähigkeit ist total wichtig und Selbstorganisation. Ein gesundes Maß an Neugier und Akribie, um diese Sachverhalte, über die wir ja gerade gesprochen haben, zu erforschen, ist auch absolut notwendig.
Interviewer:in: Wenn du von Motivation sprichst, wie würdest du denn bei jemandem erkennen, dass er oder sie motiviert ist, dass er oder sie wirklich Bock hat, mit dir die Umsatzsteuer richtig unter die Lupe zu nehmen? Wie ist jemand richtig motiviert für dich?
Jette: Also da fallen mir direkt zwei Punkte zu ein. Zum einen einfach diese Bereitschaft, sich immer auf neue Fälle einzulassen.
Interviewer:in: Okay.
Jette: Es wird in den seltensten Fällen so sein, dass man was auf den Tisch bekommt und gleich weiß, wie die Lösung ist. Es ist immer unbekannt, man muss sich da immer ganz neu reinfuchsen. Also das verstehe ich unter Motivation: das jeden Tag, jede Woche, jeden Monat aufs Neue und immer wieder zu tun. Und auf der anderen Seite ist es aber auch diese Akribie, die ich gerade schon angesprochen habe. Also nicht locker zu lassen, wirklich bis ins letzte Detail erstmal den Sachverhalt verstehen. Weil nur dann können wir eigentlich mit unserer umsatzsteuerlichen Bewertung was werden. Also der Sachverhalt muss stehen, und das ist halt manchmal auch so ein bisschen aufwendiger natürlich. Da muss man dranbleiben und sorgfältig sein.
Interviewer:in: Ja, mega gut. Vielen Dank, dass du das so seziert hast, weil wir tendieren ja dazu, so ein bisschen mit so Buzzwords um uns zu werfen. Und wenn man die sich dann mal ganz genau anguckt, dann steckt da doch schon einiges mehr dahinter. Man kann also sehr viel von dir lernen Jette. Und deswegen habe ich noch eine Abschlussfrage für dich: Wenn du jemandem, der eben gerade vielleicht am Ende seines Studiums ist, einen Rat geben könntest – etwas, was du mitgenommen hast bei deinem bisherigen beruflichen Werdegang – was wäre das?
Jette: Da gibt es ja diese Frage, die früher ganz oft gestellt wurde: „Wo siehst du dich in fünf Jahren?“ oder schlimmer noch: „Wo siehst du dich in zehn Jahren?“.
Interviewer:in: Da stellen sich mir gleich die Nackenhaare auf.
Jette: Oh, ja. Das ist aus meiner Sicht heutzutage so gut wie unmöglich, diese Frage zu beantworten. Denn alles kommt immer anders, als man denkt, und alles ist so schnelllebig und verändert sich so schnell. Ich würde den Hörer:innen den Rat geben, die Karriere nicht zu verkrampft anzugehen. Denn aus meiner Sicht besteht dann die Gefahr, dass man sich die in einem Moment bietende gute Chance einfach vielleicht nicht sieht und dann auch nicht wahrnehmen kann. Seid flexibel, wartet auf eine Chance, entscheidet euch dann und gebt dann aber auch 100 %. Und wartet dann bis zur nächsten Abzweigung, die sich dann ganz bestimmt von allein wieder aufzeigen wird.
Interviewer:in: Ja, total gut, dass du das noch mal so zusammenfasst und auch so ganz deutlich machst, weil du bist ja tatsächlich ein Paradebeispiel dafür. Du wusstest ja nach dem Bachelorstudium auch nicht so genau, wo es hingeht, und bist dann bei Jura gelandet, um dann aber doch noch mal unterschiedliche Abzweigungen zu nehmen. Und wer weiß, wo es dich noch weiter hinführen wird. Und du scheust dich eben nicht, noch mal zurückzugehen, nach vorn zu gucken und nach rechts und links. Ich habe ja schon mal während der letzten paar Minuten gesagt, dass ich das sehr mutig finde. Und es zahlt sich dann aus, und das hast du, glaube ich, sehr gut unter Beweis gestellt, dass du das, was du jetzt machst, ja total gerne machst und dafür brennst. Und so schließt sich dann auch so ein bisschen der Kreis zu unserem Anfang. Also vielen Dank, Jette, dass du uns davon so brennend erzählt hast.
Jette: Sehr, sehr gerne. Ich danke euch.
Interviewer:in: Liebe Zuhörer:innen, wenn ihr jetzt auch inspiriert seid und vielleicht eure Passion in der Umsatzsteuer gefunden habt oder finden möchtet, dann bewerbt euch doch gerne bei Deloitte. Alle Hard Facts packen wir euch in die Shownotes. Und wenn ihr noch andere Fragen habt an mich oder an Jette, dann dürft ihr die gerne richten an podcast@studydrive.net. Vergesst bitte nicht, uns zu abonnieren und empfehlt uns weiter. Ich bedanke mich dafür und für eure Aufmerksamkeit. Auf Wiederhören.