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Studydrive Podcast Career to Go – Cloud Karriere bei Deloitte 

Isabelle: Das Hobby zum Beruf machen und damit bei einem der Big Four durchstarten – geht das überhaupt? Wie wird man Senior Solution Engineer bei Deloitte und welche Skills sind hier die wichtigsten?

Intro: "Career to go"! Was macht man in einem bestimmten Job? Wie wird man fit für die Arbeitswelt? Studydrive fragt nach.

Isabelle: Hallo und herzlich Willkommen zu Career to Go! Ich bin Isabelle und heute unterhalte ich mich mit Lennart Oymanns. Er arbeitet als Senior Solution Engineer bei Deloitte. Hallo Lennart, schön, dass du die Zeit hast!

Lennart: Hallo Isabelle!

Isabelle: Wir wollen uns heute über deinen Job unterhalten und wie du dahin gekommen bist. Zuvor kurz zu dir: Du bist 34 Jahre alt, hast Physik an der RWTH Aachen studiert und nach dem Studium bist du erst mal als Doktorand beziehungsweise wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestiegen. Wo war das genau?

Lennart: Das war in Aachen an der RWTH. Ich war dort für meinen Bachelor, Master und dann auch für die Doktorarbeit. Insgesamt war ich also quasi etwa zehn Jahre lang Student.

Isabelle: Und wann hast du dich dann schließlich für den Wechsel in die Wirtschaft entschieden?

Lennart: Das war vor etwa dreieinhalb Jahren.

Isabelle: Ah, cool. Und du bist ja jetzt Senior Solution Engineer bei Deloitte. Ich habe mal gegoogelt, was ein Solution Engineer ist:
„Ein Solution Engineer arbeitet mit Kunden zusammen, identifiziert deren Bedürfnisse und erstellt darauf aufbauend Lösungsprototypen, mit denen der Kunde seine Herausforderungen bewältigen und Kundenerlebnisse verbessern kann. Der Solution Engineer verantwortet hierbei verschiedene Bereiche des Kundenprojektes, von der Sicherheit bis zum Design. Darüber hinaus erforscht er fortschrittliche Technologien in Bezug auf Best Practices auf diesem Gebiet und sucht nach kostengünstigen Lösungen.“
Habe ich das richtig gegoogelt?

Lennart: Ich sehe mich eher als Software Engineer oder Data Engineer. Ich bin hauptsächlich damit beschäftigt, Software zu schreiben. Das ist etwas konkreter als diese allgemeine Definition.

Isabelle: Okay, der Fokus auf Software ist schon mal ein interessanter Ansatz. Da werde ich später noch weiter nachhaken. Ich bin gespannt, welche Einblicke und Tipps du heute geben wirst – auch für diejenigen, die in deinem Bereich arbeiten wollen. Zuvor möchte ich dich aber noch ein bisschen persönlich kennenlernen. Wir haben eine Minute Zeit: Was ist dir lieber?

Isabelle: Kaffee oder Tee?

Lennart: Tee.

Isabelle: Rund oder eckig?

Lennart: Weder noch.

Isabelle: Während des Studiums: Hausarbeit oder Gruppenreferat?

Lennart: Ich musste beides während des Studiums zum Glück nicht machen.

Isabelle: Heute im Job: Recherche oder Meeting?

Lennart: Auf jeden Fall Recherche.

Isabelle: Drei Seiten Hof oder Penthouse?

Lennart: Keine Ahnung.

Isabelle: In der Mittagspause: Kantine oder Imbiss?

Lennart: Dann eher Imbiss.

Isabelle: Stadtbummel oder Wanderung?

Lennart: Wanderung in der Stadt.

Isabelle: Aktien oder Sparbuch?

Lennart: Aktien.

Isabelle: Für die bessere Konzentration: Musik oder Kaugummi kauen?

Lennart: Weder noch.

Isabelle: Elektro oder Rock?

Lennart: Dann eher Rock.

Isabelle: Schokolade oder Chips?

Lennart: Auf jeden Fall Schokolade.

Isabelle: An den Wochenenden: Ausruhen oder ausgehen?

Lennart: Meistens ausruhen.

Isabelle: Komödie oder Action-Thriller?

Lennart: Komödie. Leider gibt es zu wenig wirklich Gute.

Isabelle: Super, danke dir! Jetzt mal rein in die Materie: Es geht um deinen Tagesablauf in deinem Job. Wie sieht der denn bei dir typischerweise aus?

Lennart: Bei mir beginnt es morgens immer mit unserem Daily. Da kommt das gesamte Team zusammen, um zu besprechen, was wir gestern gemacht haben, wie der Status ist, was wir für den Tag geplant haben und ob es irgendwelche Blocker gibt, Dinge, die nicht so laufen, wo wir Hilfe brauchen, also um uns einfach abzustimmen, was so anliegt. Danach entwickle ich hauptsächlich Software den ganzen Tag über. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Meetings, wo spezielle Themen besprochen werden müssen. Das ist dann eher ad hoc, wenn etwas anliegt.

Isabelle: Cool, also der Hauptfokus liegt bei dir auf der Softwareentwicklung. Kannst du da mal einen kurzen Umriss geben, was alles dazu gehört?

Lennart: Das ist natürlich erst mal die Entwicklung von Features. Das heißt, ich schreibe den Quellcode, verstehe, was das Feature ist, überlege, wie man es implementiert und nachher testet. Dann geht es darum, wenn es implementiert ist, es bereitzustellen, zu deployen – in die Cloud oder wo auch immer es laufen soll. Unsere Lösungen, die im Produktivsystem laufen, müssen auch betreut werden. Der gesamte Betrieb gehört dann auch noch dazu. Ich bin wirklich von Anfang bis Ende der Lösungen, die wir bauen, involviert.

Isabelle: Welcher Bereich ist für dich persönlich der spannendste? Es klingt ja so, als ob du von den ersten Brainstormings über das Coden bis zur Inbetriebnahme alles machst. Wo macht dir die Arbeit am meisten Spaß?

Lennart: Ich sitze wirklich gerne allein vor dem PC und bin dann versunken in meinen Code. Aber natürlich ist es auch wichtig, Rücksprache mit anderen Entwicklern zu halten, sich Feedback einzuholen und mit Leuten von der Business-Seite zu sprechen. Es gibt immer wieder Themen, die man beim Entwickeln findet – zum Beispiel Edge Cases –, die man dann besprechen muss, um herauszufinden, wie man sie löst und was der richtige Prozess ist, der abgebildet werden soll.

Isabelle: Cool! Finde ich auf jeden Fall eine sehr spannende Thematik. Du hast gesagt, dass du auch direkt mit Kunden im Austausch stehst. Betreust du diese Kunden richtig?

Lennart: Wir arbeiten in sogenannten Scrum Teams. Das ist ein Prozess, wie man häufig Software entwickelt. Als Team arbeiten wir in zwei- oder dreiwöchigen Sprints, je nach Setup, in denen wir dann wirklich an dem Thema arbeiten. Der Kunde kommt meistens als Product Owner dazu und definiert, was wir machen sollen. Die sogenannten Tickets oder Tasks, die bearbeitet werden sollen, werden vom Kunden definiert und priorisiert. Man spricht dann darüber, was innerhalb der nächsten Wochen erreicht werden kann und was sich der Kunde vorstellt und welche Features der Kunde gerne hätte.

Isabelle: Welche Skills sind die wichtigsten, die du tagtäglich brauchst, um mit allen Parteien zufriedenstellend arbeiten zu können – vor allem in den Scrum Teams?

Lennart: Das Erste ist natürlich programmieren zu können. Der zweite wichtige Punkt ist, dass man gewisse Kommunikations- und Teamfähigkeit hat. Man muss sich absprechen. Dann ist es auch extrem wichtig, dass man versteht, was man entwickeln soll. Ohne das weiß man ja gar nicht, was zu tun ist. Die Kommunikation mit Leuten aus der Business-Seite ist entscheidend, um zu verstehen, welche Features es geben soll und welche Prozesse abgebildet werden müssen. Also man muss mit allen Bereichen, die in einem Projekt vorkommen, kommunizieren können. Und was natürlich auch wichtig ist, ist strukturiertes und logisches Denken. Wenn man etwas entwickeln möchte, dann muss man Schritt für Schritt vorzugehen und sich überlegen, welche Abhängigkeiten bestehen und da hilft es natürlich, wenn man das sehr strukturiert angehen kann.

Isabelle: Du hast gesagt, dass das Verständnis für Businessprozesse auch wichtig ist. Hattest du das schon vorher? Hast du dir das im Studium aneignen können, oder ist das durch den Job passiert? Also war das vielleicht auch eine Voraussetzung, um in den Job reinzukommen?

Lennart: Während des Studiums habe ich wirklich nur Physik gemacht. Der Businessprozess war die Physik, die ich verstehen musste. Im Allgemeinen lernt man das von Projekt zu Projekt. Man muss sich einarbeiten, aber man braucht auch das Interesse, sich in diese Prozesse hineinzudenken.

Isabelle: Dann noch eine andere Sache: Programmieren steht bei dir an erster Stelle in deinem Tag und das ist dann logischerweise auch der wichtigste Skill, den du brauchst. Welche Sprache benutzt du?

Lennart: Im Moment verwende ich hauptsächlich Scala. Ich habe aber auch in der Vergangenheit schon einiges mit C++ gemacht und ein bisschen mit Java, Python und Go. Aber momentan benutze ich hauptsächlich Scala.

Isabelle: Ist es wichtig, mehrere Sprachen zu beherrschen, oder reicht ein Fokus auf eine?

Lennart: Wenn man eine Sprache kann, ist es recht einfach, andere zu lernen. Wenn man C++ kann, ist der Schritt zu Java oder Python nicht weit. Es ist aber immer gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich verschiedene Sachen anzuschauen, da verschiedene Sprachen ihre Vor- und Nachteile haben und je nachdem an welchem Problem man arbeitet, kann es sein, dass es sinnvoller ist, eine andere Sprache zu verwenden.  

Isabelle: Wie bist du zum Programmieren gekommen? War das Bestandteil deines Physikstudiums, oder hast du dir das selbst beigebracht?

Lennart: Meine ersten Anfänge im Programmieren habe ich mit acht oder neun Jahren gemacht. Ich habe die ersten kleinen Programme geschrieben und es immer als Hobby nebenbei gemacht. Ich habe mich dann schon relativ früh dazu entschieden, dass ich Physik studieren will und im besten Fall auch promovieren möchte. Das hat dann überraschenderweise auch ganz gut funktioniert. Während des Studiums habe ich dann immer nebenbei programmiert und Themen für die Master- und Doktorarbeit gesucht, bei denen ein großer Softwareentwicklungsanteil dabei war.

Isabelle: Aber dann ist ja trotzdem irgendwie der Sprung in die Wirtschaft passiert. Wie kam es dazu?

Lennart: Wenn man in Physik promoviert und als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet, erkennt man irgendwann, ob man für die Wissenschaft geboren ist oder nicht. Für mich war klar, dass es keine wirkliche Zukunft im wissenschaftlichen Umfeld gibt. Deshalb habe ich mich umorientiert und mein Hobby – die Softwareentwicklung – in der Wirtschaft zum Beruf gemacht.

Isabelle: Und dann bist du zu Deloitte gekommen. Deloitte ist ein Unternehmen, das weltweit bekannt ist für Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung. Was hat dich dazu gebracht, dich dort zu bewerben?

Lennart: Der Hintergrund war damals, dass ein Bekannter bei Deloitte in einem anderen Bereich gearbeitet hat und meinte, es sei ganz gut bei Deloitte. Dann hab ich einfach mal geschaut, ob es dort auch Stellen gibt, habe mich dann bei Deloitte beworben und hatte sehr nette Vorstellungsgespräche. Besonders gereizt hat mich die Perspektive, an verschiedenen Projekten arbeiten zu können, statt jahrelang in einer einzigen Funktion festzuhängen. Deshalb habe mich dann dazu entschieden zur Beratung zu gehen, in der man viele Dinge sehen und lernen kann.

Isabelle: Du hast ja dann in den letzten Jahren bei Deloitte schon an einigen Projekten mitgearbeitet. Kannst du ein Beispiel für ein Projekt geben, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Lennart: Eigentlich sind mir alle meine Projekte sehr in Erinnerung geblieben, aber im aktuellen Projekt geht es darum, dass wir eine Plattform bauen, die aus vorhergegangenen Autoverkäufen versucht herauszufinden, welche Autos besonders gut verkäuflich sind – also welche Autos in Zukunft gebaut werden sollen. Dabei ist das Interessante, dass Ich von der ersten Zeile Code bis zur aktiven Nutzung von Leuten auf der Business Seite – die damit ihre Businessprozesse abbilden, also entscheiden können, welche Autos oder welche Eigenschaften besonders gut sind und sich besonders gut verkaufen - dabei war.

Isabelle: Arbeitest du ausschließlich an einem Projekt, oder betreust du mehrere Kunden gleichzeitig mit verschiedenen Lösungsansätzen, die du entwickeln musst?

Lennart: Genau, das war bei mir immer so, dass ich immer Vollzeit an einem Projekt arbeite.

Isabelle: Cool! Sind dir dabei Fehler passiert, aus denen du für dich und für deinen Job und deine Karriere besonders gute Learnings ziehen konntest?

Lennart: Ja, also Fehler passieren immer wieder. Diese sind natürlich schwierig zu erklären, ohne dass man den kompletten Kontext kennt. Es gibt aber immer wieder Muster, die man häufiger erkennt oder die häufiger passieren. Da wäre eine Sache, die man immer beachten sollte, dass man häufig sieht, dass sich Andere (oder auch ich selbst) YouTube Videos anschauen oder auf Konferenzen sehen, wie es die großen Unternehmen, wie Amazon, Netflix oder Google machen. Was man aber häufig nicht bedenkt, ist dass diese Unternehmen das Ganze natürlich nicht mit drei oder vier Leuten über drei Monate entwickelt haben und man muss sich auch immer überlegen, ob man die Probleme hat, die Google, Amazon oder Facebook haben. Diesen Vergleich sollte man also vermeiden und lieber etwas einfachere Dinge machen und erstmal die Probleme lösen, die man wirklich hat, statt dem neuesten Hype zu folgen.

Isabelle: Vielen Dank bis hier her schonmal für die ganzen Tipps und Einblicke, die du gegeben hast. Was kannst du denn den Hörern und den Hörerinnen mitgeben? Welche Tipps hast du für diejenigen, die auch mal das machen wollen, was du heute machst?

Lennart: Das Wichtigste ist, so viel Praxis wie möglich zu bekommen, Dinge selbst ausprobiert und sich vielleicht im Studium schon Projekte sucht, in denen man viel selbst machen kann. Also Dinge, die auch lang genug laufen, um vieles ausprobieren zu können. Praktische Erfahrung ist entscheidend, weil man erst beim Machen merkt, wie kompliziert Dinge wirklich sind.

Isabelle: Das ist auch nochmal ein guter Gedanke zum Abschluss. Zum Schluss noch die Tabufrage: Es geht ums Geld. Also keine Angst, ich möchte bei dir auch nicht wissen, was so auf dem Konto rumschwirrt. Aber erinnerst du dich an dein Einstiegsgehalt?

Lennart: Mein Einstiegsgehalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter im öffentlichen Dienst – das ist nach Tarifvertrag der Länder geregelt - lag bei etwa 1.800 Euro netto für 75 Prozent.

Isabelle: Und bei Deloitte? Kannst du hier einen groben Überblick geben, was da gehaltstechnisch so drin ist?

Lennart: Über genaue Zahlen möchte ich jetzt nicht sprechen. Vielleicht kann man da auch sagen, dass die Projektarbeit, das Team, das ich kennengelernt habe - auch auf dem Bewerbertag damals – und die Möglichkeit, an Konferenzen teilzunehmen und Trainings zu machen entscheidend sind. Ich würde es dann nicht immer nur vom Geld abhängig machen. Am Ende des Tages ist man mit den Leuten acht Stunden pro Tag zusammen und da sollte man sich dann schon während des Vorstellungsgesprächs überlegen, ob man sich das vorstellen kann, mit diesen Leuten noch mehr Zeit zu verbringen.

Isabelle: Ja das ist auf jeden Fall auch ein guter und wichtiger Gedanke, also ich bin da voll bei dir! Und du hast auch noch ein tolles Schlagwort fallen lassen: Trainingsbudget – also letzten Endes sind das ja dann auch noch Gelder die seitens Deloitte ausgegeben werden, um dich weiterzubilden, was ja nicht bei einem selbst auf dem Konto landet, aber dafür in tollen Ergebnissen und toller Weiterentwicklung resultiert. Vielen Dank, Lennart! Es hat riesigen Spaß gemacht, dass wir uns heute unterhalten konnten.

Lennart: Mir hat es auch Spaß gemacht. Vielen Dank!

Und danke an die Hörerinnen und Hörer, dass ihr dabei wart. Wenn euch die Folge gefallen hat, teilt sie mit euren Kommilitonen und Kommilitonen und abonniert den Podcast. Falls ihr weitere Fragen und Themenwünsche habt, dann schreibt wie immer eine Mail an podcast@studydrive.net 
Tschüss, macht’s gut und bis nächste Woche!